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Brief an einen Trainingsanfänger

Hallo lieber Trainingsanfänger,

 

Du liest diesen Brief, da dir jemand ein paar Ratschläge für deine Zukunft geben möchte. Diese Ratschläge beziehen sich nur indirekt auf die Arbeit im Studio. Sie beziehen sich eher auf den Wandel, den jeder früher oder später macht. Geteilt ist dieser Brief in 10 Erkenntnisse, die wir alle schon einmal machen mussten.

 

-       Training ist nicht alles im Leben

Du fängst an dich in einem Fitnessstudio anzumelden. Von nun an bist du motiviert – es ist schließlich neu, eine Abwechslung in deinem Alltag und zusätzlich tummeln sich eine Menge attraktiver Menschen auf einem Fleck.

Du wirst voller Tatendrang dich jeden Tag auf dein Training freuen. Die Stunden zählen, bis das nächste Training bevorsteht. Von nun an gibt es keine Tage mehr zum Chillen, diese Tage sind reserviert für besonders lange Trainingseinheiten. Was dann jedoch auf der Strecke bleibt, ist der Rest des Lebens. Ehe du dich versiehst werden Verabredungen, auf die man eigentlich gar nicht so viel Lust hat, mit Training ersetzt. Dies ist zunächst kein Verlust, man wollte diese Verabredungen ja schließlich eh nicht wahrnehmen. Hat man jedoch begonnen, das Fernbleiben von minderwichtigen sozialen Veranstaltungen mit Training zu rechtfertigen, ist der Weg dahin eine wichtige Veranstaltung ebenfalls unter vorgeschobenen Gründen zu versäumen. Du wirst dir vielleicht denken dass es dir nicht passiert, aber es ist uns allen passiert. Das ist auch überhaupt nicht schlimm, denn nur wenn man den Bogen einmal überspannt, weiß man wie elastisch er in Wirklichkeit ist.

 

-       Training sollte in erster Linie Spaß machen

Ist die erste Phase des „Toll ich darf endlich wieder trainieren“ überwunden und fährt man die ersten Erfolge ein, entwickelt man einen Ehrgeiz. Dieser Ehrgeiz kann besonders in der Anfangszeit schnell ins Negative umschlagen. Man macht sich fertig wenn man eine Trainingseinheit verpasst und wenn ein Gerät nicht frei ist, welches man unbedingt benutzen wollte, hasst man die Person bis aufs Blut. Genau das sind die Eigenschaften, die Bodybuildern negativ nachgesagt werden. Das muss aber gar nicht sein! Erst wenn du merkst, dass dich viel zu viel aufregt, wirst du erkennen dass die meisten Sachen es gar nicht wert sind. Wenn man zum Sport kommt – top! Wenn nicht, geht man einfach morgen. An dem Punkt wo Training anfängt, den Alltag nicht mehr zu bereichern, läuft irgendwo etwas falsch.

 

-       Deine ersten Erkenntnisse werden sich als falsch herausstellen

Wirklich jeder denkt von sich, dass er die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Man liest davon dass bei den meisten Leuten das erste Jahr Training meistens schlecht läuft und man selber denkt, dass einem das ja gar nicht passiert weil man viel schlauer ist als der Rest. Die traurige Wahrheit ist: Das ist überhaupt nicht so. Wir sind viel dümmer als wir es uns eingestehen. In den ersten Monaten Training, entdecken wir „Tricks“, die uns vermeintlich Fortschritte bringen. Sei es eine ganz neu erfundene Grifftechnik, ein besserer Pump durch Trinken von Cola Zero während des Trainings oder eine vermeintlich beste Tageszeit zum Bankdrücken. Stolz erzählen wir neuen Anfängern von dem, was wir uns in Eigenregie beigebracht haben, da wir denken dass aus unserem Mund pures Gold kommt.

Die Wahrheit ist trotzdem: 9 von 10 deiner „Erkenntnisse“ stellen sich in der darauf folgenden Zeit als falsch heraus. Das Heftige ist, dass es dir nach 10 Jahren Training noch genau so gehen wird!

 

-       Deine erste Massephase wird hässlich

Du wirst lesen, dass Profi-Bodybuilder eine „Offseason“ haben, in der sie 10-15kg zunehmen und dann werden die Leute erzählen dass man genau so die richtig dicken Muskeln aufbaut. Also gehst du zu McDonalds, zwingst dich dazu Protein-Pancakes zu essen, da in der Flex drin steht dass „Lee Priest sich mitten in der Nacht Pancakes machte und sollte er aufgrund der hohen Essensmengen kotzen, er sich dieselbe Mahlzeit einfach nochmal machte und durch den Mixer jagte“. Also frisst du was das Zeug hält und verbannst den Blick in Spiegel. Was zählt ist ausschließlich die Waage und die klettert langsam von 62kg in Richtung 70kg! Wow, so viel hast du noch nie gewogen! Deine T-Shirts fangen außerdem an zu spannen. Diese Massephase ist der Hammer, denkst du dir. Wenn es dann allerdings mal so kommt, dass dir Freunde ein Foto von der letzten Party zeigen und du dort von der Seite abgelichtet wirst, merkst du dass du eine ziemliche Wampe bekommen hast. Die Welt bricht vor deinen Augen zusammen. Man sagte doch schließlich dass man so Muskeln aufbaut? Also fasst du den Entschluss, dass es Zeit ist abzunehmen. Du wolltest außerdem schon immer einmal so trocken sein, dass du Adern über den ganzen Bauch verteilt hast! Wie Lazar Angelov!

 

-       Die erste Diät wird schrecklich

Und so kommt es dazu dass du deine erste Diät beginnst. Du fängst an mit den typischen „Brigitte-Diät“-Tipps, die man so vom Hören sagen kennt. Nach 18 Uhr keine Kohlenhydrate, zum Mittag gibt es mal einen Salat und diese Haferflocken sollen ja auch richtig gesund sein! Was passiert dann? Nun, leider...nicht viel. Das Gewicht fällt nicht und du kannst dir beim besten Willen nicht erklären, warum das so ist.

Also liest du dich ein und merkst, dass die meisten Leute wirklich nur Blödsinn erzählen wenn es um Diät geht. So startest du eine Standard-Low Carb Diät. Diese ist allerdings ganz anders als das was du sonst so erlebt hast: Du hast Hunger. Richtig viel Hunger und es macht dich wahnsinnig. Nach 3 Tagen Diät guckst du schon mit hochgezogenem Shirt in den Spiegel und denkst dir – Mist, immer noch keine Bauchmuskeln. Dabei redest du dir ein dass du quasi fühlen kannst, wie der Hunger dir das Fett vom Körper frisst. So einfach geht das aber nicht.

Ach, genau! Du hast mal was von Schummelmahlzeiten gelesen um den Stoffwechsel anzukurbeln. Ja genau, dein Stoffwechsel wird eingeschlafen sein. Also gönnst du dir nach 5 ½ Tagen Diät eine fette Familienpizza und bist glücklich – bis du erkennst, dass man leider viel länger durchhalten muss als gedacht und Schummelmahlzeiten sinnvoll eingesetzt werden müssen.

 

-       Sozialer Druck ist ein omnipräsentes Thema

Trotz Instagram und Youtube ist es immer noch so, dass man mit dem Thema „Krafttraining“ öfter irgendwo aneckt, als man sich vorstellen kann. Sei es die Oma, die sagt dass es nicht gesund ist keine Schokolade zu essen, da man ja „seinem Körper von allem ein bisschen“ geben muss, oder die Eltern die denken dass Eiweißpulver hochgradig giftig ist.

In gewisser Weise brüstet man sich mit der eigenen Nonkonformität und fühlt sich überlegen, denn die breite Masse ist eben nicht auf dem „Weg der Erleuchtung“, wie man selber. Leider vergisst man ziemlich schnell, dass es für einen Großteil der Leute einfach egal ist, wie sportlich aktiv man ist und ein Unverständnis daher vorprogrammiert ist.

Nach einem gewissen Verweilen in einem Extrema, wird man allerdings zurückrudern und merken, dass „normal sein“ gar keine so große Hürde ist und man trotz Public Viewing von 20 bis 22 Uhr noch um 22.30 Uhr genug Zeit ist, seine 500g Magerquark zu essen, ohne katabol zu werden.

-       Dein Partner wird dich insgeheim sabotieren

Die Überschrift dieses Punktes klingt hart, aber es wird so kommen. Zumindest wenn man nicht mit einem Wettkampfathleten zusammen ist. Es wird nämlich Situationen geben, in denen man disziplinierter als der Partner ist und das mögen Menschen gar nicht. Während du während einer Diät eisern bleiben möchtest und dein Partner das auch weiß, bedeutet dies nicht dass er genau so willensstark ist wie du. Vielleicht habt ihr eine Vereinbarung dass dein Partner dich unterstützt – er wird sie aber brechen. Wenn vereinbart ist, dass abends vor dem Fernseher keine Chips mehr auf dem Tisch stehen, werden irgendwann trotzdem genau deine Lieblings-Chips da stehen und dein Partner wird sagen, dass er „heute mal wieder Lust drauf hat und du auch gerne was abhaben kannst“.

Menschen hassen es, wenn ihnen die eigene mangelnde Disziplin auf die Nase gebunden wird und nichts wirkt provozierender auf diese Menschen, als wenn man selbst konsequent ist. Das wird zu 100% in jeder deiner Beziehung nicht nur einmal vorkommen.

 

-       Es ist nicht cool „Hardcore“ zu sein

„Squat ´til you puke“

„I´m not here to talk“

„Plain chicken and rice 8 times a day – my favorite“

 

So oder etwas anders klingen die Sprüche, die man auf allen Postern von Animal wiederfinden kann. Je länger du in der „Szene“ drin bist, desto mehr faszinieren dich diese Situationsbeschreibungen. Frank McGrath als lonesome Rider, Roman Fritz der seine Geschmacksnerven vor 8 Jahren über Bord geschmissen hat und Jay Cutler, der 3x am Tag trainiert hat und nie mehr als 3 Stunden am Stück schläft.

 

Du wirst definitiv eine Phase durch machen, in der du diese Verhaltensmuster versuchst anzunehmen – und du wirst kläglich scheitern. Denn diese extreme Aufopferung bringen nur Profis an der Spitze ihres Erfolgs. Du behinderst dich nur unnötig damit, und solltest dir eventuell mal die „80-20-Regel“ anschauen.

 

-       Du hast einen ganz eigenen Weg

Früher gab es den „richtigen Weg“ eines Bodybuilders, der aus den ganzen Forenbeiträgen zu entnehmen war.

Du trainierst 1 Jahr nach einem Ganzkörper-Plan. Dann wechselst du auf einen 2-er oder 3-er Split. Du ernährst dich mit mindestens 3g Protein pro KG Körpergewicht und das Kniebeuge-Workout ist das Highlight der Woche. Unmengen an Haferflocken liefern dir die Substanz für neue „Gains“, die du in einer ausgedehnten Massephase nicht nur an den Quads, sondern auch am Bauch machst. Dann machst du eine einzige Diät um „ripped“ zu sein. Hast du 4-5 Jahre Training hinter dir, ist es dir erlaubt Stoff zu nehmen.

 

Da es nun allerdings ganz andere Social Media Kanäle und damit verbundene Ideale gibt, gibt es ganz andere „Lifestyle und Trainingsmodelle“, nach denen du deinen Weg bestreiten kannst. Vielleicht möchtest du ja das ganze Jahr über in guter Form sein und vegan essen? Vielleicht willst du ein High Carb Low Fat Masseschwein sein und 50 Bananen am Tag essen.

 

Vielleicht willst du aber auch ganz normal weiter leben, entspannt studieren, abends Bier trinken und hin und wieder ein paar schwere Gewichte bewegen.

 

Ganz egal WAS dein Weg ist. Niemand kann ihn dir vorgeben.

 

-       Trainierst du aus den richtigen Gründen, wird Training dein Leben bereichern

Damit kommen wir auch zum nächsten Punkt. Training und die Lehren aus hartem Sport werden dein Leben bereichern. Oft merkst du es erst Jahre später, aber die Disziplin, die ernsthaftes Training dir abverlangt, wird dir in allen Lebensbereichen helfen und dich auf ganz neue Herausforderungen vorbereiten. Alle Lehren aus diesem Artikel lassen sich auch auf das normale Leben ohne Sport übertragen. Die Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung kann dir niemand nehmen.

 

 

 

Was würdest DU einem Trainingsanfänger auf den Weg geben wollen? Welcher deiner Freunde steckt in einem der aufgezählten Punkt fest? 

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